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Museumsschiff seit 1997

Die „Elbe 1"

Ehemaliges seegehendes Küstenstreifenboot der Wasserschutzpolizei Hamburg, Baujahr 1965 — heute als Traditionsschiff erhalten und betrieben durch ehrenamtliches Engagement.

Geschichte

Vom Streifenboot zum Museumsschiff

Im Sommer 1964 stellte die Leitung der Wasserschutzpolizei fest, dass die Überwachung des Schiffsverkehrs auf der Unterelbe nicht ausreichend wahrgenommen werden konnte. Der Bau eines weiteren seegehenden Streifenbootes wurde ausgeschrieben.

Den Zuschlag erhielt die Werft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf, die das preisgünstigste Angebot abgegeben hatte und für den Bau sehr funktionaler Behördenschiffe bekannt war. Die Menzer-Werft hatte in den Jahren 1965 bis 1974 für die Wasserschutzpolizeien der Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein (u.a. „Birknack", „Falshöft" und „Helgoland") und Bremen („Bremen 2") mehrere typengleiche Küstenstreifenboote gebaut, die sich äußerlich nur unwesentlich voneinander unterschieden, aber hinsichtlich ihrer Ausstattung auf das jeweils vorgesehene Einsatzgebiet zugeschnitten waren. So wurden die später gebauten, meist für die Nordsee vorgesehenen Küstenstreifenboote etwas größer und mit leistungsstärkeren Motoren ausgerüstet.

Am 20. Juli 1965 wurde das seegehende Streifenboot mit der Baunummer 439 vom Stapel gelassen und von der Gattin des Polizeipräsidenten Dr. Frenzel auf den Namen „Wasserschutzpolizei 1" getauft. Nach einer Bauzeit von 8 Monaten nahm am 9. Dezember 1965 die „WS 1" mit einer max. 9-köpfigen Besatzung ihren Dienst auf. Angetrieben von 2 Motoren mit je 820 PS (mit Abgaslader) erreichte sie eine Geschwindigkeit von max. 22 kn und war das schnellste Streifenboot auf der Unterelbe. Für diesen Neubau musste die Stadt Hamburg in den Jahren 1964 und 1965 insgesamt 783.000 DM investieren.

1983, Ende der Ausfahrt, 3. Mannschaft
Wichtiger Hinweis

Aktueller Status

Museums-Streifenfahrten derzeit ausgesetzt

Aktuell finden leider keine Museums-Streifenfahrten statt: Die „Elbe 1" hat einen Brandschaden erlitten und befindet sich in Begutachtung und Reparatur. Sobald genauere Informationen zum Fortgang der Arbeiten vorliegen, aktualisieren wir diese Seite sowie die Seite „Museums-Streifenfahrten".

Ein historisch anfälliger Antrieb

Schon im aktiven Wasserschutzpolizei-Dienst stellte sich der Antrieb der „WS 1" als anfällig heraus: Bei Streifenfahrten im Unterelberaum fuhr das Boot meist mit nur geringer Geschwindigkeit, was sich nachteilig auf die Abgaslader der Motoren auswirkte — diese erwiesen sich als äußerst reparaturanfällig. Man entschloss sich daher, die Abgaslader auszubauen und das Schiff mit reduzierter Maschinenleistung von ursprünglich 2 x 820 PS auf 2 x 465 PS zu betreiben. Die zulässige Geschwindigkeit sank in der Folge von 22 kn auf 16 kn, die Besatzung wurde auf 4 Mann reduziert. Ein inzwischen fast 60 Jahre altes Schiff verursacht bis heute einen entsprechend hohen Unterhaltungsaufwand.

Elbe 1, Backbord-Hauptmaschine
Vom Behördenschiff zum Museumsschiff

Stationen der Elbe 1

Außerdienststellung (1991–1996)

1991 hatten der Senat und die Bürgerschaft entschieden, dass die beiden seegehenden Streifenboote „WS 4" und „WS 1" aufgrund ihres Alters und steigenden Reparaturaufwandes durch Neubauten ersetzt werden müssen. Für das Revier Cuxhaven wurde das erste neue Küstenstreifenboot gebaut und als Flaggschiff neben dem Namen „Bürgermeister Brauer" mit der Kennziffer „WS 1" getauft. Dafür musste unsere alte „1" ihren Namen hergeben und wurde in „Wasserschutzpolizei 3" umbenannt, da auch der Name „WS 2" für einen weiteren Neubau („Bürgermeister Weichmann") vorgesehen war.

Nach Indienststellung der neuen „WS 2" („Bürgermeister Weichmann") im Jahr 1995 wurde die „WS 3" nur noch als Reserveboot verwendet, um im Falle eines Werftaufenthalts eines der neuen Boote eingesetzt zu werden. So kam die „WS 3" noch zu Einsatzfahrten auf der Unterelbe und zu einer länger andauernden Verwendung am WSR 4 in Cuxhaven, bis sie dann am 1. Oktober 1996 endgültig außer Dienst gestellt wurde.

Nachfolger
Übernahme als Museumsschiff (1995–1997)

Als dem Verein für ehemalige WS-Barkassen e.V. im Herbst 1995 bekannt wurde, dass die „Wasserschutzpolizei 3" außer Dienst gestellt und versteigert werden sollte, entstand der Wunsch, dieses Schiff mit seiner eleganten und doch zweckmäßigen Form möglichst im Originalzustand als Museumsschiff zu erhalten. Grundlage unserer Bemühungen war das Ziel, das Schiff in das Eigentum des Museum der Arbeit zu überführen und es als Dauerleihgabe zu übernehmen. Mit der Museumsbarkasse „Alfred Wachholz" hatten wir bereits unter Beweis gestellt, dass diese Form der Zusammenarbeit erfolgreich sein kann.

Angesichts der zu erwartenden Kosten für die Erhaltung und den Betrieb des Schiffes mussten Behörden und die Verantwortlichen des Museum der Arbeit überzeugt werden, dass wir in der Lage wären, dieses maritime Juwel als Museumsschiff zu erhalten. Selbst im Museum waren deutlich Widerstände zu spüren, obwohl das finanzielle Risiko ausschließlich durch unseren Verein zu tragen war. In sehr langen und zähen Verhandlungen gelang es dem Polizeiverein Hamburg e.V. — besonders dessen Vorsitzendem, Staatsrat Dirk Reimers — die zuständigen Behörden zu überzeugen, dass die Erhaltung dieses Küstenstreifenbootes als Museumsschiff nicht nur für die Polizei, sondern auch hinsichtlich der Steigerung der Attraktivität des Hamburger Hafens für den Tourismus ein durchaus lohnendes Ziel sei.

Die finanzielle Abwicklung gestaltete sich ebenfalls sehr schwierig: Das laufende Versteigerungsverfahren stellte zunächst ein Hindernis dar, zudem mussten die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein entsprechend dem Elbe-Abkommen abgefunden werden. So dauerten die langwierigen Verhandlungen bis in den Sommer 1997. Der Verein hat die Mittel für die Abfindung der anderen Bundesländer und damit den höchsten finanziellen Anteil an den Gesamtkosten übernehmen müssen — dankbar sind wir dem Polizeiverein Hamburg e.V. für seinen beachtlichen finanziellen Beitrag sowie der Kulturbehörde für die Übernahme der Restsumme.

Von der Außerdienststellung am 1.9.1996 bis zum Sommer 1997 lag das Schiff an der Pontonanlage Entenwerder der Landespolizeiverwaltung (LPV 24). Am 1. Juli 1997 konnten wir das Schiff endlich übernehmen und zu seinem vorübergehenden Liegeplatz Steendieckkanal (Finkenwerder) überführen. Mit großem Engagement haben die ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder nach der recht langen Liegezeit die Technik überholt und vor allem den optischen Eindruck verbessert. An der Überseebrücke konnten wir am 30. August 1997 unter Anteilnahme vieler Gäste dieses schöne Schiff auf den Namen „Elbe 1" taufen — benannt nach dem ursprünglichen Polizeifunk-Rufnamen des Bootes.

Die ersten Jahre als Museumsschiff (1997–2000)

Aufgrund der verzögerten Übernahme konnten in der Saison 1997 nur wenige Fahrten mit dem neuen Schiff durchgeführt werden. Weitere Arbeiten zur Instandsetzung erfolgten in Teilschritten jeweils im Winterlager der folgenden Jahre. Dazu verlegten wir im Winter 1997 die „Elbe 1" in den Harburger Binnenhafen, wo wir bei Jugend in Arbeit e.V. bzw. der Jöhnk-Werft neben dem Liegeplatz auch notwendige Unterstützung erhielten.

Erstmals im Jahr 1998 konnten wir das Schiff bei öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen vorstellen: der Hafengeburtstag in Verbindung mit einer PR-Aktion der Hamburger Polizei, die Glückstädter Matjeswochen zusammen mit dem Museum der Arbeit und Tage der offenen Tür bei den WSR 1 und WSPK 2. Auch bei Verabschiedungen in den Ruhestand des Amtsleiters Heinz Krappen und des Polizeiseelsorgers Hellmut Tourneau waren wir für Dienststellen der Polizei beteiligt. Dadurch erzielten wir die nötigen Einnahmen, um Reparaturen durchzuführen, für die wir Werftbetriebe in Anspruch nehmen mussten. Sehr kostenintensiv waren die Beschaffung notwendiger Rettungsmittel für die gewünschte Personenzahl an Bord sowie die Funk- und Signalausstattung nach internationalem Standard.

Bereits 1999 und 2000 konnten wir an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen, teilweise mit längerer Anfahrt wie Cuxhaven und Travemünde. Besonders interessant war eine Reihe von Fahrten für die Polizei Hannover während der EXPO 2000 im Rahmen des Betreuungsprogramms für Polizeibeamte.

Zulassung als Traditionsschiff (seit 2000)

Die erfolgreiche Entwicklung der Jahre 1997 bis 2000 endete jäh am 27.10.2000. Obwohl eine Ultraschall-Untersuchung des Unterwasserschiffes im Winter keine Probleme aufgezeigt hatte, kam es am neuen Liegeplatz Travehafen zu einem Wassereinbruch im Achterschiff der „Elbe 1". Leider waren dort bereits sanierte Bereiche von dem eindringenden Wasser betroffen, und die geleistete Arbeit wurde zunichte gemacht.

Alle folgenden Arbeitsschritte zur Sanierung des Rumpfes — letztlich bis zum Austausch von Stahlplatten — wurden in Abstimmung mit der Zulassungsstelle für Traditionsschiffe, deren Sachverständigen sowie der Versicherung durchgeführt. Ziel war es, die Zulassung als Traditionsschiff entsprechend der jeweils aktuellen Sicherheitsrichtlinien — auch unter Umweltschutzgesichtspunkten — zu erhalten. Mit Wirkung vom 5.7.2002 haben wir erstmals dieses Sicherheitszeugnis erhalten. Spätestens alle 5 Jahre, mit einer Zwischenbesichtigung in diesem Zeitraum, muss dieses Zeugnis erneut beantragt werden.

Neben jährlichen Inspektionen des Unterwasserbereiches im Dock einer Werft werden an wöchentlichen Arbeitstagen durch sachkundige Vereinsmitglieder notwendige Arbeiten und Überprüfungen durchgeführt. Ein inzwischen fast 60 Jahre altes Schiff macht einen recht hohen Unterhaltungsaufwand notwendig. Trotz seines Alters ist die „Elbe 1" nach und nach mit moderner Navigations- und Kommunikationstechnik ausgestattet worden und erfüllt somit die Anforderungen, um als Traditionsschiff zugelassen zu werden.

Auf einen Blick

Technische Daten

1965Baujahr
32,35 mLänge
5,40 mBreite
4Besatzung
16 knGeschwindigkeit
Alle technischen Daten der „Elbe 1"
FahrzeugartSeeberufsgenossenschaft-Sonderfahrzeug
UnterscheidungssignalDBJC
WerftSchiffswerft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf
Baujahr1965
Länge32,35 m
Breite5,40 m
Tiefgang1,70 m
Tonnage113,57 BRT
Maschine2 x MWM V16 Dieselmotoren
Leistung2 x 343 kW (2 x 465 PS)
Hubraum55 Liter
Geschwindigkeit16 Knoten
Technisches ZubehörHilfsdiesel, Kompressor, Feuerlöschpumpe, Hydraulikpumpe
Tankinhalt Treibstoff8.000 Liter
Frischwasser2.000 Liter
Aktionsradius700 Seemeilen
AusrüstungKreiselkompass, Magnetkompass, Radar, Seefunk, Polizeifunk, Schlauchboot mit 25 PS Motor, 2 Hydraulikkräne, Kombüse, 2 Toiletten, Waschraum mit Dusche
Besatzung4 Personen
Außerdienststellung (Polizeidienst)Oktober 1996
FahrtgebietDeutsche Hoheitsgewässer mit angrenzenden Gebieten der Nordsee (Küstenmeer), Unterelbe
Impressionen

Fotoalbum

Eine kleine Auswahl aus dem Fotoalbum der „Elbe 1" — von Fahrten durch den Nord-Ostsee-Kanal bis zum Steuerstand an Bord.

Selbst an Bord der „Elbe 1" mitfahren

Sobald die aktuellen Maschinenprobleme behoben sind, laden wir wieder zu Museums-Streifenfahrten durch den Hamburger Hafen, auf der Elbe und in den Nord-Ostsee-Kanal ein. Informieren Sie sich über Termine und Charterfahrten.

Zu den Museums-Streifenfahrten