ELBE 27. neu Juli 2017 - Verein für ehemalige WS-Barkassen e.V.

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Motorbarkasse „Alfred Wachholz  („ELBE 27“)
ex. „Wasserschutzpolizei 27“ (1959 - 1992)



Dienstboote der Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen


Die Wasserschutzpolizei Hamburg wurde 1787 gegründet und verfügte in den Anfängen über eine Zolljacht und eine Ruderjolle. Mit wachsender Personalstärke nach Erweiterung des Zuständigkeitsbereichs vergrößerte sich auch die Anzahl der Ruderjollen, die natürlich mit Muskelkraft betrieben wurden. Erst im Jahre 1886 wurde eine erste Dampfbarkasse in Dienst gestellt. Die polizeilichen Aufgaben ab 1888 bei Einrichtung des Freihafens und später nach Übernahme von Aufgaben einer Alsterpolizei führten zum Erwerb weiterer Dienstboote. Ende des 19. Jahrhundert verfügt die Wasserschutzpolizei über 8 Dampfbarkassen und 20 Jollen, die nach Erweiterung des Zuständigkeitsbereichs aufgrund des Groß-Hamburg-Gesetzes neben dem Hafengebiet auch die Elbe von Lauenburg bis zur Nordsee zu einem Bestand von 23 Hafen- und 2 Streckenboote (14 Dampf- und 11 Motorboote) im Jahre 1939 führten.

Nach dem 2. Weltkrieg standen zumeist alte, sehr reparaturanfällige Dampfbarkassen zur Verfügung, die erst nach und nach durch Neubauten mit Dieselmotoren ersetzt wurden. Nach dem Bau eines ersten Streckenboots 1953 ließ die Wasserschutzpolizei in den Jahren 1956–58 durch die Werft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf eine Serie von 4 schweren Hafenstreifenbooten (WS 4, WS 8, WS 3, WS 9) bauen.

Name

Menzer
Baunummer

Baujahr

Umbenennung
01.Januar 1991

Außerdienst-
stellung

Aussonderung / Verbleib

Schwere Hafenstreifenboote

WS 4

406

1956

WS 34

Nov. 2006

Verkauf nach Serbien,
Zollboot im Schwarzen Meer

WS 8

408

1957

WS 38

Nov. 2006

Letzte Verwendung: WSPK 3.
2007 verkauf an privat
MB"Silija"Glückstadt,ab 2011 Mehrzweckschiff "Seebär", Wilhelmshafen. (siehe WS 39)

WS 3

409

1957

WS 33

Nov. 2006

09.05.2007:umbenannt "Ottenstreuer"
Verein Museumshafen Oevelgönne

WS 9

410

1958

WS 39

Nov. 2006

Letzte Verwendung: WSPK 1.
2007 verkauft an Jadebarkassen Rudolf Rubinic, Wilhelmshafen. Einsatz als Mehrzweckschiff "Seewolf"

                                  WS 34  ex WS 4                                                   WS 39  ex WS 9


Ab 1959 wurde ebenfalls von der Menzer-Werft eine Serie von 10 typgleichen Barkassen mit Dieselmotoren, sogenannte leichte Hafenstreifenboote, als Ersatz für die bis dahin eingesetzten Dampfbarkassen gebaut. Es handelte um die Boote


Name

Menzer
Baunr.

Baujahr

Umbenennung
Januar 1991

Außerdienst-
stellung

Aussonderung / Verbleib

Leichte Hafenstreifenboote

WS 14

413

1959

1972

Verkauft an privat, heute: MB "Oceana" Hamburg

WS 17

414

1959

WS 26

Dezember 2004

Verkauf an privat, MB "Rex", Wilhelmshafen
2012 im Internet zum Verkauf angeboten, Verbleib unbekannt.

WS 18

415

1959

April 1984

Verkauf an privat, MB "Hai", Hamburg, vermutlich Mitte der 90ger Jahre auch unter MB "Advocard I" betrieben

WS 27

416

1959

07.07.1992

letzte Verwendung: Reserveboot LPV 24
heute Museumsbarkasse "Alfred Wachholz" (ELBE 27)

WS 29

417

1959

Mai 1977

Verkauf an privat, seit 2005: MB"Müggenburg"
gesunken Feb. 2015 Hamburger Hafen. Gehoben,liegt bei Taucher Flint.

WS 21

420

1961

20.05.1998

Verkauf an privat, heute MB "Cerberus" Hamburg.
Januar 2017 verschrottet

WS 24

421

1961

23.07.2003

letzte Verwendung: WSPK 3 Ast Lauenburg. Verkauf an privat nach Rügen, weiter Juni 2004 nach Russland.

WS 30

422

1961

WS 23

1994

Verkauf an privat und Umbau Wohnschiff Geesthacht.
ab Anfang 2015 Grube-Werft, Hamburg

WS 31

423

1961

WS 28

Verkauf an privat,Rundfahrten in Büsum und ab 2005 in Flensburg als MB "Godewind", seit 2008 privat in Hamburg

WS 32

424

1961

WS 29

Januar 1993

Brandschaden im Herbst 1992, Verkauf an privat, 2013 nach Restaurierung von privat MB "Elbe 32" Hamburg

Blick in die Menzerwerft zur Bauzeit der leichten Hafenstreifenboote

Die Bilder wurden uns freundlicher Weise von Herrn © Gerrit Oswald zur Verfügung gestellt

           Taufe der "Wasserschutzpolizei 27"                                                                  Probefahrt im Schleusengraben

                                               Wasserschutzpolizei 26              ex WS 17  



Als letzte Dampfbarkasse in Diensten der Polizei Hamburg wurde 1968 die „Wasserschutzpolizei VI" außer Dienst gestellt, anschließend als Museumsschiff „Otto Lauffer" dem Museum für Hamburgische Geschichte übergeben. Heute wird sie vom Museumshafen Oevelgönne e.V. betrieben.

Technische Daten

Baujahr, Ort, Werft :   1928, H.C. Stülcken & Sohn
Schiffsgattung:
Dampfbarkasse
Länge:
17,00 m
Breite:
3,88 m 
Tiefgang:
1,65 m
Baumaterial und Bauweise: Stahl, genietet.
   
Maschine  Bj.:
Zweizylinder - Verbundmaschine mit 174 PS bei 8 bar Kesseldruck und 150 U/min. im Auspuffbetrieb
Kessel  Bj.:
Kohlebefeuerter Flammrohr-Rauchrohrkessel mit 32 m² Heizfläche und mit künstlichem Zug durch
einen Injektor im Schornstein, der mit dem Abdampf der Maschine betrieben wird (Auspuffmaschine).
Eigner: Seit 2004 Museumshafen Övelgönne


Verschiedene Boote vom Typ leichtem Hafenstreifenboot erhielten voneinander abweichende Ausstattungen. So wurden z.B. die „Wasserschutzpolizei 17", die im Bereich der Unterelbe eingesetzt wurde, im Heck weitgehend mit einem geschlossenen Deck gebaut und mit für diesen Bereich notwendiger Ausrüstung ausgestattet. Neben einem Schlauchboot auf diesem Heck bestand diese Ausstattung aus einer Rettungsinsel. siehe Bild links

Im Jahr 1959 betrugen die Baukosten für den Standardtyp eines leichten Hafenstreifenbootes ohne die vorstehend genannte besondere Ausstattung  ca. 180.000 DM. Immer wieder wurden diese Boote im Laufe ihrer Dienstzeit modernisiert. Auch die Änderung des optischen Erscheinungsbildes von ehemals grau-schwarzem zu jetzt aktuellem weiß-blauen Anstrich in 1991/92 ließ die Modernisierung an den verblieben Polizeibooten deutlich erkennen. Veränderte Ausrüstungsvorschriften und Sicherheitsanforderungen

wurden bei der Modernisierung jeweils berücksichtigt. Die Wasserschutzpolizei konnte auf diesem Wege relativ kostengünstig auf die Veränderung von Aufgaben und damit verbundene Organisationsanpassungen reagieren. So hat sich die Anzahl der Streifenboote parallel mit der Anzahl der Wasserschutzpolizeireviere im Laufe der Jahre verkleinert. Durch die Einführung von Containern erfolgte die Ent- und Beladung der Seeschiffe zunehmend an den Kaistrecken und nicht mehr an den Pfählen im Strom. Diese Tendenz beschleunigte den Abbau von Bootskapazitäten. So wurden einige Boote trotz ihres guten technischen und optischen Zustandes relativ frühzeitig ausgesondert.


Leichtes Hafenstreifenboot „Wasserschutzpolizei 27"


Die „Wasserschutzpolizei 27" mit ihrem Polizei-Funkrufnamen „ELBE 27" wurde an verschiedenen Dienststellen der Wasserschutzpolizei eingesetzt und nahm vielfältige polizeiliche Aufgaben wahr und zwar: Routinemäßige Streifenfahrten; Transport von Polizeikräften zum Einsatzort (häufig Schiffe, die zu der Zeit noch an den Pfählen lagen); Absperrungen und Sicherung von Gefahrenstellen auf dem Wasser; Rettung von Personen und Bergung von Leichen bis hin zu Eskortierung von Staatsgästen. Traurige Höhepunkte während
der Dienstzeit der „Wasserschutzpolizei 27" waren die Einsätze anlässlich der Flutkatastrophe am 16./17. Februar 1962 oder der Untergang der Barkasse „Martina" auf der Norderelbe nach Kollision mit einem Schubverband am 2. Oktober 1984.

Besonders in engen Hafenbecken war dieser Bootstyp mit seinem schmalen Rumpf und dem Verstellpropeller ein sehr wendiges Einsatzmittel, das den Anforderungen der Wasserschutzpolizei über lange Zeit gerecht wurde.

Die „ELBE 27" wurde zum Radar-Schulungsboot umgebaut und über mehrere Jahre an der Wasserschutzpolizeischule bei der Ausbildung von Polizeibeamten der Wasserschutzpolizeien aller Bundesländer eingesetzt. Hier hat sie eine wesentliche Rolle gespielt. Im Februar 1978 wurde sie durch einen Radarsimulator ersetzt. Danach konnte „WS 27" wieder als Streifenboot eingesetzt werden. In den letzten Monaten diente sie als Bootsreserve.

Trotz mehrfacher Modernisierungen, so im Winter 1986/87 und der optischen Veränderung von grauen zu weißen Aufbauten im Winter 1991/92, war die Barkasse nach über 30 Jahren im Polizeidienst technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Sie entsprach nicht mehr den Anforderungen, die an ein polizeiliches Einsatzmittel gestellt werden.


"Wasserschutzpolizei 27" im Einsatz beim Hafengeburtstag

Technische Daten
Werft: Schiffswerft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf
Baujahr:                            1959
Länge:                              18,17m
Breite:                               3,90m
Tiefgang:                           1,50m
Maschine:                           MWM 8-Zylinder-Dieselmotor
Leistung:                            173 KW (235PS)
Hubraum:                           13,5 Ltr.
Geschwindigkeit:               11 Knoten
Außerdienststellung:         Juni 1992



Museumsschiff „Alfred Wachholz", genannt „Elbe 27"


Nach seiner Außerdienststellung im Juni 1992 wurde das leichte Hafenstreifenboot „Wasserschutzpolizei 27" durch die Initiative des Vereins „Schiffe der Arbeit e.V." und unter Mitwirkung des damaligen Leiters der Dienststelle „Wasserfahrzeuge und nautische Geräte" der Landespolizeiverwaltung, Alfred Wachholz, zu einem Museumsschiff umgewidmet. Nach einer Entscheidung des Finanzsenators ging dieses Schiff am 14.08.1992 in das Eigentum des MUSEUM DER ARBEIT über und wurde gleichzeitig dem „Verein für Schiffe e.V." als Dauerleihgabe übergeben. Die Zusammenarbeit dieses Vereins mit dem Museum war nicht reibungslos, so dass der Vertrag seitens des Museums nach kurzer Zeit gekündigt wurde. So verfügte das erst im Aufbau befindliche MUSEUM DER ARBEIT zwar über eine Barkasse, es fehlten aber zur Instandsetzung, Erhaltung und für den Betrieb geeignete, mit diesem Schiff vertraute Personen. Was lag also näher, als diese im Kreis der Bediensteten der Polizei, speziell der Wasserschutzpolizei zu suchen?

Am 6. Februar 1993 gründeten Polizeibeamte den Verein für ehemalige WS-Barkassen e.V. und übernahmen im Mai 1993 die vom Museum auf den Namen „Alfred Wachholz" getaufte Barkasse als Dauerleihgabe. Dieser Schiffsname setzte sich im Kreis der Wasserschutzpolizei nicht durch. In der Schifffahrt werden Traditionen sehr intensiv gepflegt. Jahrzehnte ist in der Polizei diese Barkasse mit seinem Funkrufnamen „ELBE 27" angesprochen worden. Dieses setzte sich auch nach der „Pensionierung" fort. Amtlich heißt die Barkasse weiterhin „Alfred Wachholz", aber in der Wasserschutzpolizei und im Verein nennt man sie „ELBE 27".



Seit 1993 aber hat die Barkasse bei vielen Museumsstreifenfahrten bewiesen, dass sie immer noch voll funktionstüchtig ist. Manchmal wird aus dem Schiffspensionär wieder das Polizeiboot. Einerseits durch die Mitwirkung in vielen Film- und Fernsehproduktionen, andererseits auch bei Ernstfällen während unserer Fahrten durch den Hafen. Während des Hafengeburtstages 1993 musste die Besatzung der „ELBE 27" Hilfe bei einem im Fahrwasser gekenterten Segelboot leisten und die beiden Segler retten. Im August 1994 rettete die Besatzung einen völlig

                  "Elbe 27" bei Dreharbeiten mit Opfer

erschöpften Schwimmer aus einer bedrohlichen Situation aus der Norderelbe in Höhe Tollerort.

Die Erfahrungen mit dem Schiff im ersten Jahr zeigten, dass insbesondere bei starkem Schiffsverkehr der Schwell anderer vorbeifahrender Schiffe häufig dazu führte, dass der Wellenschlag über die Bordwand schlug und das Boot Wasser nahm. Ferner war die offene Barkassenbauweise bei regnerischem Wetter nachteilig. Hierbei sammelte sich in der Bilge schnell das Wasser. Deshalb musste die Bilge durch Fachfirmen kostenaufwändig geleert werden.  Daher wurde in Abstimmung mit dem MUSEUM DER ARBEIT im Mai 1994 die Bordwand geringfügig durch Aufschweißen einer Metallkante erhöht und für den Fahrgastraum eine Wetterschutzplane beschafft. Dadurch sind auch die Gäste vor ungünstigen Wetterlagen geschützt.



Die Anzahl der Sitzplätze konnte im Winter 1996/97 durch den Verzicht auf die Flüssiggasanlage und den damit ermöglichten Umbau der Sitzbänke zu einer umlaufenden Holzsitzbank vergrößert werden. Dieses führte zur Wiederherstellung des Urzustandes beim Neubau der „ELBE 27".

Zur Sicherstellung der Betriebsfähigkeit wurde die „ELBE 27" immer wieder in Werften aus dem Wasser genommen und besonders die anfällige Wellenanlage mit dem Verstellpropeller überprüft bzw. repariert (Februar 1997, Mai 1999 und Februar 2000). Aufgrund der drastisch gestiegenen Kosten verzichten wir seit dem Winter 1998/99 auf das bis dahin übliche Winterlager mit dem Verbringen des Bootes auf einen Lagerbock. Trotzdem wird durch den Verein über die vorgeschriebenen Untersuchungsfrequenzen hinaus freiwillig im Einvernehmen mit der Versicherung vorwiegend der Rumpf auf Materialstärke untersucht und zeitgleich regelmäßig der Unterwasseranstrich erneuert. Durch Eigenleistungen und der freundlichen Unterstützung von Sponsoren können wir glücklicherweise die Kosten minimieren.

Trotz aller Sorgfalt lassen sich leider auch kostenaufwändige Reparaturen nicht vermeiden. Die ELBE 27 überfuhr im Sommer 2000 während einer Gästefahrt einen unter Wasser treibenden Tampen, der die Antriebswelle so stark beschädigte, dass sie komplett ausgetauscht werden musste. Leider liegen derartige, selten benötigte Ersatzteile nicht bei den Werften auf Lager. So musste diese Welle in bis Januar 2001 dauernden Arbeitsschritten angefertigt und eingebaut werden. Auch in der Saison 2012 fiel das Boot aufgrund eines Getriebe- und Motorschadens längere Zeit aus. Zum Glück konnten fachkundige und hochmotvierte Mitglieder des Vereins jeweils einen Ersatz für den Motor und das Getriebe besorgen und mit viel Eigenleistung das Boot wieder betriebsbereit machen. Dieses gelang uns auch in diesem Fall mit eigenen finanziellen Mitteln, die wir über Jahre durch unsere Museumsstreifenfahrten erwirtschaften konnten.

 
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